Soulfood, Baby!

Muschelparadies
Es ist 11h. Ich bin seit 5 Uhr wach. Der Mexikanische Golf hat die Luft mit Salz geschwängert, die Möwen ziehen kreischend über Apalachicola an der „Forgotten Coast“, an der außer Sümpfen nicht mal Rentner zu finden sind - und ich habe Hunger. Dass es in der süßen Kleinstadt eine so große Auswahl an Seafood Restaurants gibt, ist eigentlich kein Wunder. Apalachicola ist die Austern-Hauptstadt. Mein Weg führt mich über einen unfassbar großen bunt gemischten Krimskrams-Laden direkt gegenüber zu Boss Oyster, der dankenswerterweise schon auf hat  - und bei dem auch viel zu früh aufgestandene Europäer schon vor 12 Uhr etwas zu essen bekommen.


Das hatte ich:
Oyster Rockerfella & mit Zimt und Chili gewürzte Süßkartoffel-Pommes
So war es:
Gut, teilweise richtig gut. Vor allem die Aussicht von der Terrasse ist unbezahlbar
Note:
  3 von 5 Reisefreunde-Sternen
Lohnt sich ein Stopp auch sonst:
ja, Apalachicola ist winzig, aber wirklich entzückend.



Lunch mit Krokodil
Eingepfercht zwischen den letzten Metern von Florida und den ersten von Mississippi liegt die Mobile Bay als südlichster Zipfel des Staates Alabama. Hier treffe ich die deutsche Auswanderin Manja, die mit ihren drei Kindern und amerikanischen Mann Jaime in einem süßen Häuschen wohnt und sich als Bäckerin selbständig gemacht hat. Wir verbringen ein paar Stunden zusammen – und zu meiner Freude muss ich sagen: oftmals essend. Nicht nur serviert sie mir ihr frisch gebackenes Brot, sondern auch ganz warme und herrliche Laugenbretzeln. Und wir fahren gemeinsam raus Richtung Bay. Auf der Fahrt sehen wir ein paar Krokodile, die uns neugierig aus dem Wasser betrachten. Im Bluegill Restaurant setzen wir uns nach draußen auf die Terrasse und bestellen alles, was man hier essen muss: Gumbo, Green Fried Tomatoes, Crabs. 

Das hatte ich:
Crabmeat Omelette Po Boy und ein paar Vorspeisen
So war es:
Mein Gericht was okay, so richtig klasse aber waren die Green fried Tomatoes mit Crawfish royal.
Note:
2-3 von 5 Reisefreunde-Sternen
Lohnt sich ein Stopp auch sonst:
ja, es gibt schöne historische Ecken in Mobile

Ran an den Shack
Aus einem winzig kleinen und von innen sehr dunklen Fressbüdchen Petty's BBQ am Straßenrand (in den USA auch Shack genannt) schaut mich ein Mann an. Also das glaube ich zumindest. Denn sehen kann seine Augen nicht. Eigentlich kann ich überhaupt nichts sehen. Er ist Afroamerikaner, trägt eine schwarze Sonnenbrille und nimmt meine Bestellung auf. Pulled Pork Sandwich und Green Fried Tomatoes - beides Spezialitäten der Südstaaten - will ich essen. Und anscheinend wiederholt er jetzt noch mal vorsichtshalber meine Bestellung laut, beziehungsweise kann ich das nur erahnen. Denn was aus seinem Mund kommt, hört sich für mich ungefähr so an: „Iiihhhn feit omaosn pullpor“. Ich nicke mal vorsichtshalber freundlich. Die Südstaatler mit ihrem schweren und alles in die Breite und Länge ziehenden, die Hälfte der Silben verschluckenden Akzent zu verstehen, habe ich in den Wochen meines Roadtrips nicht geschafft. Aber als dann mein Essen endlich fertig ist und mir derselbe Mann das Tablett durch das kleine Fenster reicht, kann ich genau verstehen, dass er „Enjoy Darling“ sagt. Hach!


Das hatte ich:
Pulled Pork Sandwich und Green Fried Tomatoes
So war es:
saulecker, vor allem das Pulled Pork Sandwich.
Note:
4 von 5 Reisefreunde-Sternen
Lohnt sich ein Stopp auch sonst:
ja, Starkville ist eine typische Kleinstadt, sogar mit Universität – aber eben wirklich winzig


Wie bei „House of Cards“
Der Duft haut mich um. Als ich die Tür meines Wohnmobils öffne, werde ich von lockenden Gerüchen umzingelt. Pulled Pork, Hefebrötchen, süßliche Barbecue Sauce, Ribs. Ich bin im Grill Himmel - besser gesagt im BBQ Himmel. Die Zubereitungsmethode hat ja rein gar nichts mit unserem Haus- und Hofgrillen zu tun, dies aber nur mal am Rande. Viel wichtiger: der Geruch wird stärker je näher ich der alten Holztür zum Shack komme. Farbe blättert von den Holzwänden neben ihr. Die Tür wird von innen geöffnet, mir kommt ein älteres Pärchen entgegen, ich finde sie sehen glücklich und satt aus.Ein gutes Zeichen!
Dieser BBQ-Shack des Vertrauens liegt in Maryland und heißt Em-Ings. Noch eine Nacht habe ich in meinem Camper vor mir, da will ich noch mal ordentlich Soulfood haben, bevor es ins schicke New York geht. Die Anzeigentafel, auf den die unterschiedlichen Fleischgerichte und Beilagen stehen ist leider verwirrend. Kann ich einfach alles haben? Ich nehme dann doch die Ribs mit Bohnen, Cole Slaw und Hefebrötchen, wenn schon denn schon! Als die Rippchen in meinem Mund zergehen, komme ich mir vor wie Frank bei House of Cards. Nebenan sitzen zwei dicke Truckfahrer, die anerkennend rüber schauen, als sie meine große Portion sehen. Ich frage sie nach einem guten Crab Shack – und höre abrupt auf zu essen, als sie mir sagen, der sei nur 4 Kilometer weiter. Huch. Also: Rippchenreste einpacken - abends schmecken die auch noch wunderbar im Sandwich- und los...

Das hatte ich:
Rippchen mit diversen Saucen, Cole Slaw, Hefebrötchen und Bohnen
So war es:
Sehr gut!
Note:
4 von 5 Reisefreunde-Sternen
Lohnt sich ein Stopp auch sonst:
nein, es sei denn man steht auf halbverfallene Dörfer, einzige Ausnahme: in der Nähe liegt Amerikas coolste Kleinstadt!





Flohmarkt mit Crabcake 
Und so erreiche ich besagte 4 Meilen weiter Baileys Seafood. Ich öffne die Tür und werde als erstes erschlagen von dem Interieur. Ein Sammelsurium von Bildern, Fischernetzen, Köfferchen und weiß der Henker was schreit um die Aufmerksamkeit meiner Augen. Viel zu viel. Also suchen meine Augen in Bruchteilen einer Sekunde nach Halt. Als erstes treffen sie auch einen stark übergewichtigen Mann, der in der einen Ecke sitzt.  Ein „Hi there“ von der anderen Seite lässt meinen Kopf drehen und zwei junge Frauen erblicken. Die eine Afroamerikanerin und dick, die andere weiß und dünn – und voll tätowiert und gesprächig. Wo ich denn herkäme will die Letztere wissen, während einen Raum weiter mein Crabcake Sandwich gebraten wird. Als ich ihr sage, dass ich mit dem Wohnmobil durch die USA toure und eigentlich aber aus Berlin, Deutschland komme reagiert sie mit folgenden Fragen: “Oh, how long does it take to drive all the way from Germany to the US?“ und „If you live in Berlin, do you know Steffi? She’s a singer there?!“ Nun ja. Ich bin wie immer höflich geblieben und habe alle Fragen beantwortet – mit unterdrücktem Schmunzeln. Der dicke Mann war übrigens der Besitzer und Sammeln ist, Wunder oh Wunder, seine Leidenschaft. 

Das hatte ich: Crabcake
So war es:
gut
Note:
3 von 5 Reisefreunde-Sternen
Lohnt sich ein Stopp auch sonst:
ich hab die nächst gelegene Stadt nicht wirklich gesehen.






Burgermeister-Love 
Ich hasse MacDoof und auch Burger Schling. In den USA aber gibt es wirklich akzeptable Burgerketten: wer sich in Kalifornien befindet, darf sich besonders glücklich schätzen, da es dort die geile Kette „In-n-Out“ gibt. In den Südstaaten stand ich gleich zweimal vor den frisch geputzten Tresen der „Five Guys“ Kette. Mit augenscheinlich extrem guten Fritten und frisch gemachten Burger nach Wahl haben sie mein Herz und meinen Magen erobert. Wie man die Dinger übrigens isst: Burger aus der Alufolie auswickeln, den Burger auf die eine Seite der Folie, die Pommes aus der braunen Papiertüre daneben auf die andere Seite der Alufolie kippen. Voila.

Das hatte ich:
Cheeseburger mit Bacon und süßen Zwiebeln und Champignons mit schön krossen Fritten (normal oder mit Chili)
So war es:
sehr gut
Note:
4 von 5 Reisefreunde-Sternen
Lohnt sich ein Stopp auch sonst:
die meisten Five Guys liegen nicht (außer interessanterweise in LONDON, da habe ich neulich auch einen entdeckt) in der Stadt, sondern bei großen Malls außerhalb der Städte. Auf jeden Fall lohnt sich ein Umweg für einen Five Guys Laden!


Mehr zu dem bestem Burger der Welt gibt es hier und dem besten Soulfood in Virginia habe ich hier ein paar Zeilen gewidmet!

Mein Fahrbarer Untersatz wurde von CU Camper gesponsert!

3 Kommentare:

  1. Hm lecker, jetzt habe ich Hunger bekommen ;-) Viele Grüsse aus Zürich!

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  2. Mich ziehen vor allem die ersten zwei Gerichte an, hmmmm "Oyster Rockerfella & mit Zimt und Chili gewürzte" hört sich nach einer leckeren Kombination an, muss ich mal ausprobieren :) Danke für die Inspiration :)

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