Mein erstes Mal: Bungeejumping

Gleich werde ich fliegen. Aber etwas ist beunruhigend. Laute Musik plärrt und ich schaue in eine 43 Meter tiefe Schlucht unter mir. Vor wenigen Minuten wurde ich gewogen (OH MEIN GOTT!!!), ich musste Papierkram unterschreiben (was hier auch noch voller Zynismus "Toe Tag" genannt wird - eigentlich eine Identifizierung für Verstorbene im Leichenschauhaus) und mir Sicherheitsanweisungen durchlesen. Alle fünf Minuten höre ich einen gellenden Schrei. Jetzt legt mir ein junger Mann auch noch ein Gewusel aus Seilen und Bändern an. Aber was wirklich beunruhigend ist: ich verspüre überhaupt keine Angst.

Ich befinde mich in Neuseeland nahe Queenstown bei AJ Hackett Karawau Bungee. A.J. Hackett war derjenige, der den Extremsport populär gemacht hat und das nötige elastische Gummiseil erfunden hat. 1987 sprang er (natürlich völlig illegal) vom Eiffelturm. Ein Jahr später gründete er sein Unternehmen und schuf den Ort, wo ich jetzt stehe.


Es ist recht kalt und auch windig, die Sonne will sich heute ausnahmsweise mal nicht so früh blicken lassen. Vor mir ist meine Reisebegleiterin Paula dran. Sie hat sich extra ihre „Happyhose“ angezogen: eine bunte lange Leggins. Ich musste Paula ein wenig beruhigen, denn sie hat Angst vorm Fallen. Aber sie springt trotzdem. Mutig! Ich habe immer noch keine Angst. Nicht mal ein bisschen.


Noch nie bin ich Bungee gesprungen, aber ich wollte es schon immer machen. Wo, wenn nicht in einem der Mutterländer dieses Adrenalin-Kicks? Und nun bin ich dran, tapse in Zwergenschritten auf dem Vorsprung der massiven Brücke nach vorne. Der Mitarbeiter sagt mir, in welche Kamera ich winken und lächeln muss - und das tue ich aus voller Vorfreude. Er sagt noch irgendwas zu mir, aber so richtig verstehe ich ihn nicht, denn meine Gedanken sind mit etwas anderem beschäftigt. „Ich will richtig fliegen, wie ein Vogel! Nicht mit em Hintern zuerst!“ brülle ich ihm gegen den Wind entgegen. Worauf er mir die kurze und pragmatische Anweisung „Möpse raus und Kinn hoch!“ gibt. 

Also mache ich genau das. Ich breite meine Arme aus und stelle mir vor, ich wäre eine Boeing mit Winglets. Und eine Sekunde später zählt er auch schon runter „Drei, zwei, eins“. Ich will irgendwie richtig abspringen, schaffe das aber nur leicht.

Und dann springe und fliege ich. Was jetzt passiert, geschieht in wenigen Sekunden, alles geht blitzschnell: Das Blut schießt in meinem Kopf. Ich versuche vor Freude zu schreien, aber die Schwerkraft drückt auf meine Lungen. Ich krächze mehr, als das ich schreie.

Und zack, fängt mich das Gummi an meinen Füssen, und der freie Fall ist beendet. Ich werde mit einem Ruck nach oben gezogen und verliere komplett die Orientierung. Ich sehe in einem Strudel das Wasser unter mir, ich sehe die Landschaft hinter mir. Alles verschwimmt vor meinen Augen. Ich pendele und weiß nicht mehr wo ich bin. Aber eins weiß ich: ich grinse wie ein Honigkuchenpferd. Als ich langsamer werde und sich mein Gleichgewichtssinn wieder meldet, erkenne ich auch das Boot unter mir. 

Die beiden Männer fokussieren mich und reichen mir eine weiße Stange, um mich an Bord zu ziehen. Ich greife zu und werde reingezogen. „Toll“ sagt einer und fragt „Dein erstes Mal?“- „Yeah“ keuche ich außer Atem. Und er nickt und brummt „Respekt!“ Bin ich wirklich die 43 Meter runter in die Tiefe gesprungen? Fassungslosigkeit.


My Bungy Jump from Angie Reisefreunde on Vimeo.

Für mich kommt das schwierigste jetzt erst: ich muss die steilen Treppenstufen wieder nach oben gehen. Paula empfängt mich, wir fallen uns in die Arme. Partners in Crime und Adventure. So einfach war das. Später im Video höre ich einen der Kameramänner überrascht brüllen „Kicks-Butt-dive“ – was wohl so viel heißen soll wie „Cooler Sprung“ und ich fühle mich ein wenig geehrt. Aber ich weiß schon jetzt: das nächste Mal springe von einer noch höheren Brücke. Vielleicht habe ich dann auch endlich mal ein wenig Bammel.


Danke an Tourism New Zealand für die Einladung!
Mehr über meine Reise nach Neuseeland gibt es HIER!

6 Kommentare:

  1. Das war damals auch mein erster Bungeesprung. Ich bin einige Tage später dann direkt den Nevis gesprungen. Das würde ich dir auch empfehlen. Macht nochmal mehr Spaß weil man noch mehr fliegt! :-)

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    1. Eben! Jetzt bin ich total angefixt.... Aber immerhin bin ich nur zwei Tage später noch mal kurz aus nem Flugzeug gesprungen... dazu bald mehr auf Reisefreunde! :-)

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  2. Wenn das mal bei mir so elegant aussehen würde. Auf jeden fall top Video und klasse Fotos :)

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    1. Du weißt doch: Brust raus, Kinn hoch! :D

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  3. Erste UND Letzte mal, meinst du wohl. Deine Sis.

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  4. Öhm öhm, das kann ich nicht versprechen... hüstel... Knutsch, deine Sis.
    PS. Wie wäre es eigentlich mal, wenn du etwas ruhiger Auto fahren würdest, hm???

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