Hallo Peking!


Der Himmel ist blau über Peking, das ist ja schon mal entzückend. Kein Smog, nur bei der Landung sind einzelne weiße Wolken zu sehen. Davor hatten mich ja alle gewarnt. Dafür ist es klirrend kalt. Es ist ja auch Dezember. Ich hatte mir Peking irgendwie anders vorgestellt. Schlimmer irgendwie. Sozialistischer. Hässlicher. Ist es aber nicht. Natürlich hat das auch viel mit meiner Behausung hier zu tun. Mein Haupt darf ich auf den bequemen Kissen des Four Seasons Peking betten. 

Und gleich zu Anfang machen die Schlingel mir eine Freude, wie sie so typisch Four Seasons ist. Die PR-Frau Jenny überreicht mir meine Reiseunterlagen in einer seidenbezogenen Schachtel, darauf sind Schmetterlinge zu sehen. Sie lächelt mich an und wispert „Wir wissen ja, wie sehr Sie Schmetterlinge mögen!“. Hach. So einfach kann man mein Herz gewinnen.

Jenny und ich wärmen uns erst mal bei einem heißen Tee, bevor wir uns raus wagen. Ich bin zwar nach meinem ewigen Flug hundemüde, aber auch neugierig und so nimmt sie mich mit  - auf eine kleine abendliche Stadttour. Und ich sehe ein Peking, das mich glücklich macht, weil es so schön ist. Viel hatte ich von Hutongs gelesen, den alten Wohnvierteln im Inneren der Stadt in denen mittlerweile sogar recht hippes Leben eingezogen ist. Jenny bringt mich zu einem dieser Orte. 

Die roten Papierlampen, die über der kleinen Gasse hängen schwingen im eiskalten Winterwind und von allen Seiten duftet es nach Essen. Wir schlendern durch einen modernisierten Hutong, es gibt Starbucks, jede Menge Pizza und Sushiläden, viel Koreanisches Essen, kleine Shops für Mode und Geschenke. Alles schön, aber nichts für mich. Fast am Ende dann endlich etwas was mich interessiert. 

Eine Frau steht an einer Ecke, vor ihr ein kleiner Wagen mit Grill und Bräter. Das was aussieht wie breite Bandnudeln ist Tofuhaut. Sie brät sie mit schnellen geübten Handbewegungen und würzt sie mit allerlei Soßen. Das will ich probieren. Wie immer werde ich ganz lieb zum Thema Hygiene von Streetfood und Schärfe gewarnt -  wie immer erzähle ich, dass ich einen Magen aus Beton habe. Noch nie hat mich ein Streetfood-Mahl zum Erliegen gebracht. Dennoch ist Jennys Blick zunächst skeptisch, als ich die ersten Stäbchen zum Mund führe. Es schmeckt köstlich und die Schärfe tut mir hier, bei minus 8 Grad an einer dunklen Ecke mitten in Peking stehend sehr gut. Sie freut sich. 


Wir wandeln weiter zum Hou Hai See in Peking. Rings herum Restaurants und Bars, in allen stehen junge Musiker, mal zu zweit, mal alleine und singen aus vollen Lungen. Irgendwann habe mal ein Gastrobesitzer damit angefangen sagt Jenny. Jetzt machen es alle. So leidenschaftlich hatte ich mir diese Stadt gar nicht vorgestellt. Alle singen sie von unerfüllter Liebe.  Vor einigen Läden bleiben wir stehen und lauschen. Schön ist das, wenn auch arg touristisch.

Nach einer weiteren Stunde ist die Kälte in unsere Knochen geklettert. Wir wollen irgendwo hin wo es warm ist und wo wir etwas Richtiges essen können. Ich frage nach Dim Sums und Jenny zögert. Es gäbe da in der Nähe des Hotels einen ganz kleinen Laden. Sehr einfach – eigentlich eher was für Locals. Wieder so eine Sache, die ich ganz rührend finde. Kaum ist man Gast eines 5-Sterne Hotels, denken die lieben Mitarbeiter man würde immer nur edle Restaurants bevorzugen. Das Gegenteil ist bei mir der Fall. Ich will da hin wo alle essen. Aber für Streetfood ist es jetzt zu kalt, also bringt mich Jenny ins Bao Yuan Dumplins. 

Einfach finde ich das Restaurant nicht - es ist urig und gemütlich, kein Chichi. Überall dampfen Dim Sums auf den Tischen, in vielen Farben. Die Chinesen essen zu ihren gefüllten Teigtaschen rohen Knoblauch, sie beißen in die Zehen wie wir in einen Apfel. Das ist mit dann doch etwas too much. Also bestellen wir einfach nur Dim Sums und etwas Gemüse – als Alibi. 6 verschiedene Sorten stehen vor mir, die Wahl fiel schon schwer, denn hier werden circa 50 verschiedene Dim Sums angeboten. 

Am liebsten hätte ich alle probiert aber das hätte ich natürlich nicht geschafft. Bei einem Bier essen und plaudern wir, sie erzählt mir von ihrem Leben hier und von ihren Plänen, bald mit ihrer Mutter auf die Malediven zu fliegen um Urlaub zu machen. Ich kann ihr ein paar Tipps geben, ich war ja gerade erst da. Und irgendwann können wir nicht mehr, meine Augen fallen mir zu und ich kehre zurück in meine Suite. Ein letzter Blick noch auf die Lichter der Stadt bevor ich meine Lampe neben dem Bett ausmache und einschlafe. Ein guter Anfang für ein mir so unbekanntes Land ist der letzte Gedanke, an den ich mich erinnern kann.
Auf meine Reise nach China wurde ich von Four Seasons eingeladen, xiè xiè dafür!

2 Kommentare:

  1. Ach ist das schön.

    Wenn man deinen Beitrag so liest, dann steigen einem die Düfte förmlich in die Nase. Herrlich. Und wenn ich diese roten Papierlaternen sehe, dann weiß ich warum ich die asiatische Kunst so liebe. Sie hat etwas aus vergangenen Zeiten, etwas zerbrechliches.

    Ich freu mich auf viele weitere Fotos aus Peking (ich hoff es kommen noch welche).

    回头见,
    Markus

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    1. <3 ja liebster Backbube, es kommen noch ganz viele. Alle schön bunt... und es kommt noch viel essen... Peking Ente musste ich natürlich inhalieren und Nudelsuppen in winzigen Garküchen schlürfen.... All das in den kommenden Tagen!
      Küsse,
      la Gigi

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