Schatzsuche im Bretonischen Meer

Es ist wie in einem französischen Film. Ein paar Leute sitzen plaudernd und lachend um einen großen Holztisch. Aus der Küche hört man leises Geklimper. Herrliche Düfte nach Butter und Knoblauch ziehen herüber.

Ein Plopp! verkündet, dass eine dritte Flasche Wein aufgemacht wurde. Mit einem großen Tablett kommt die Dame des Hauses um die Ecke. Darauf liegen Austern, die mit feinen Karotten, Wein und crème fraîche überbacken sind.

Aber nichts ist schick oder etepetete hier. Trotz filmreifer Kulisse bin ich nicht in einem piekfeinen Restaurant, sondern auf einem ehemaligen Bauernhof bei Joël und Martine auf der Halbinsel Crozon in der Bretagne. Sie betreiben seit ein paar Jahren eine winzige Pension namens Ty Bihan. Und manchmal können sie frei in der Natur ernten. Kein Gemüse oder Obst, sondern Meeresfrüchte. Muscheln, Krebse, Schnecken. Immer dann, wenn gerade eine Springflut über die Küste gezogen ist, gibt es eine Menge zu sammeln. Dann ist das Meer ein reicher Garten. Strandfischen heißt das – die Franzosen sagen dazu Pêche à pied, also Fischerei zu Fuß.

Und genau das taten noch vor wenigen Stunden alle, die jetzt vergnügt am Tisch sitzen und genießen. Nach einer genauen Einweisung, was man auflesen darf und was nicht, zogen wir mit Eimern, Mützen und Gummistiefeln los zum Strand von Seillou.



Joel machte vor und wir machten nach. Schnell war ich der Strand-Schnecken Experte. Nur eine kleine Färbung am Schneckenhaus entscheidet ob sie genießbar sind oder nicht. Und nach dreimal nachfragen hatte ich den Dreh raus. Die anderen Teilnehmer hatten mehr Glück mit Muscheln. Die längliche Messermuschel zum Beispiel lockt man mit Salz aus ihrem Versteck im Schlick. Und dann die Austern, die hier einfach so rumliegen. Nur die erlaubte Menge haben wir mitgenommen, das wurde von unserem Strandfischermeister Joel streng überwacht.

Übrigens: mal wieder stimmt ein Sprichwort. „In der Bretagne kann man an einem Tag vier Jahreszeiten durchleben“. Wir hatten warme Sonne, Regen, Stürme und sogar Hagel! Durchnässt aber glücklich zogen wir mit vollen Körben zurück. Und sahen bei der ganz simplen Zubereitung zu. Natürlich war auch hier -ganz bretonisch – viel Butter im Spiel.

Ganz köstlich meine Ernte, denke ich und genehmige mir noch ein Schlückchen Wein, als unser herrliches Mittagessen in die dritte Stunde zog.


Hier geht es zur Website von Joel und Martine! Danke an das Bretonische Fremdenverkehrsamt für diese tolle Erfahrung!

1 Kommentare:

  1. Es scheint, Sie hatten ein köstliches Erlebnis. Herzlichen Glückwunsch!

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