Die Elefanten Flüsterin


Da stehen sie also plötzlich vor mir, zwei Elefanten, die ich schon für groß halte. Der eine ist allerdings noch ein Baby. 6 Jahre alt. Ich habe am Anfang echte Berührungsprobleme aber der Mahout (der Elefantenpfleger sozusagen) ermutigt mich, ein paar kleine Bananen zu nehmen und ihnen den Elefanten hinzuhalten. Und schon kommt ein süßer Rüssel auf mich zu und nimmt sich einfach, was er haben will. Zack. Mit einem lauten Schmatz ist die Banane weg. So beginnt mein erster Kontakt mit den Dickhäutern im Four Seasons Tented Camp. Ich hab mich sofort verknallt.


Das Haus hat eine Stiftung gegründet, die Golden Triangle Asian Elephant Foundation und hat Elefanten, die mager ihr Dasein auf den Straßen fristeten mussten in die Anlage geholt. International arbeitet die Stiftung mit der Think Elephants International  zusammen. Auch den Mahouts wurde ein neues Zuhause gegeben. Irgendwann, als große Maschinen kamen, hatten die Mahouts keine Arbeit mehr. Sie nutzten bis dahin die Elefanten als Lasttiere. Doch ohne Arbeit kein Geld, weder für sich noch für die nötigen 200 bis 300 kg Gemüse und Obst für die Elefanten. Täglich. So sah man häufig auf Thailands Straßen abgemagerte Tiere, die in Garagen standen oder einfach irgendwo vor sich hin vegetierten. Die Foundation hat dazu beigetragen, dass sich dieses Bild geändert hat. Internationale Wissenschaftler sind hier vor Ort, sie sehen nach dem rechten und machten Intelligenz-Tests mit den Tieren. Seid der Stiftungsgründer Joshua Plotnik einst in einem Zoo in New York angefangen hat, Verhaltensforschung mit ihnen zu betreiben geht man davon aus, das Elefanten weitaus intelligenter sind, als bis dahin angenommen. Zum Beispiel gibt es Elefanten, die sich selber im Spiegel erkennen können. Und das wiederum lernen mittlerweile Kinder via Skype – die Foundation hat sich auch zum Ziel gesetzt, über das Verhalten von Elefanten aufzuklären.




Hier im Camp werden die Elefanten trainiert und umsorgt. Die Mahouts leben mit ihren Familien auf dem Gelände in kleinen Dörfern, sie erhalten einen ordentlichen Monatslohn für ihre Arbeit und die Elefanten beste Nahrung. Dennoch sind die Mahouts allein verantwortlich für die Tiere. Und auch deshalb passen sie gut auf sie auf. Tierärzte sind mit im Team, sie untersuchen die Tiere regelmäßig auf Krankheiten und überprüfen den Gesundheitszustand penibel.



Elephant Whisperer Four Seasons Tented Camp from Angie Reisefreunde on Vimeo.


Und die Gäste des Camps können hautnah dabei sein und zum Elephant Whisperer werden. Das Programm umfasst ein Mahout Training, eine Besichtigung der Stiftung, Gespräche mit Verantwortlichen und bei einem Check Up eines Elefanten dabei zu sein. Ich bin zunächst sehr skeptisch, als ich das Angebot bekomme, auch auf einem Elefanten zu reiten. Ich habe schon so viel Schlimmes gehört und nähere mich den Tieren nur zaghaft auf der großen Fläche unter meinem Zelt. Aber die Elefanten sehen gut aus, sie haben keine Wunden, sie sind wohl genährt. Sie wackeln mit den Ohren und mit ihren Schwänzen, ein anerkanntes Zeichen, dass sie sich wohl fühlen. „If you’re hapy and you know it.....“ kommt mir in den Sinn. Bua Thong heißt der Elefant, der mir zugeteilt wird. Der Mahout-Trainer Seng strahlt eine angenehme Ruhe aus und er erklärt, auf was man genau achten soll. Er zeigt mir, wie man einen Elefanten nach Mahout Tradition besteigt. 

Es gibt drei Varianten. Bei der für den unerfahrenen Menschen wie mir einfachsten, gibt man dem Elefanten ein Kommando, und er kniet sich seitlich hin. Dann greift man beherzt das fleischige Ohr mit einer Hand, mit der anderen fasst man an seine Schulter und dann steigt man auf. Es ist einfacher als ich dachte. Der Mahout steigt hinter mir auf, denn es gibt keinen Sattel. Man hält sich mit den Knien hinter den Ohren und mit den Händen an den Kopfknochen der Tiere fest. Dann folgt das Kommando „pai“. Es geht los. Ich bin sehr aufgeregt und habe Angst runterzufallen. Es schaukelt mächtig. Da ich noch keine großen Erfahrungen auf dem Rücken von Pferden gemacht habe, muss ich mich sehr konzentrieren. Aber der Mahout hält mich an meiner speziellen Kleidung fest. Bua Thong marschiert los – zum Fluss. Dort steige ich zunächst ab  - und der Mahout geht mit dem Elefanten alleine ins Wasser. Und ich kann sehen, welchen Spaß Bua Thong dort hat. Er taucht fast ganz unter, der Mahout steht auf den Rücken wie ein Surfer. Und dann folgt ein lustiges Gequietsche bzw. ein Trompeten und Bua Thong saugt mit seinem Rüssel Wasser ein und spritzt mit der Fontäne den Mahout klitschnass. Ich lache mich schlapp. Und mir vergeht das Lachen, als mir der Mahout sagt, dass ich nach meinem Training ebenfalls mit dem Elefanten ins Wasser gehen soll. Wie bitte? Niemals! Schon kommt meine Angst wieder. Was, wenn ich ins Wasser falle? Oh mein Gott!



Aber zunächst soll ich ganz alleine den Elefanten besteigen und alleine wieder absteigen. Das klappt am Anfang gar nicht - dann habe ich mich daran gewöhnt und komme, wenn auch tumb wie ein Klotz allein hoch. Und kaum sitze ich oben, geht es daran die Befehle zu lernen. „Gerade aus gehen“= Pai, „um die Kurve gehen“ = Bean und vor allem „Stop“ = How! Ich bin sicherlich nicht die beste Schülerin und muss ganz schön laute Kommandos geben, damit mich Bua Thong überhaupt hört.

Aber dann geht es. Nach einer weiteren Proberunde reiten wir gemächlichen Schrittes in den Urwald. Lustigerweise bemerke ich, dass alle Elefanten kleinere Schlammlöcher meiden und versuchen, diese zu umgehen. Nur in wirklich großen Schlammlöchern und Flüssen fühlen sie sich wohl. Ihre dicke Haut braucht die Abkühlung. Auf dem Weg zum Fluss schlägt mein Herz höher. Ich habe echtes Muffensausen vor dem Wasser. Aber Bua Thong beruhigt mich, in dem er zwischendurch genüsslich als wenn nix wäre Gräser und Blätter von den Bäumen mampft.




Ich bin sehr froh, dass der Mahout kurz vorm Fluss wieder zu mir auf den Elefanten kommt und mir verspricht, mich ordentlich fest zu halten, auch wenn Bua Thong untertauchen sollte. Gesagt getan. Es geht in den Fluss und mein Bua Thong hat so viel Spaß am Bad, dass er sofort fast ganz untertaucht – und ich mit ihm. Bis zum Hals bin ich im Wasser und Bua Thong nimmt einen kräftigen Rüsselsog und fängt an dass zu tun, was er wohl am liebsten macht: Quatsch. Er spritzt die anderen Elefanten und mich und meinen Mahout ordentlich voll.  Was für ein Spaß! Mehrmals hält mich der Mahout, aber ich fühle mich sicher, wenn auch mein Herz klopft wie wild.Sehr glücklich reite ich zurück zum Camp. Ich kann kaum laufen als ich absteige und mich bei Bua Thong bedanke. Meine Mahout Kleidung ist pitschepatsche nass. Ich sehe aus, als hätte ich mit samt meiner Klamotten gebadet. Abends sinke ich eine Badewanne, trinke einen Whisky und bin glücklich.



Am nächsten Tag darf ich zu den Wissenschaftlern, die hier für die Stiftung forschen. Ich bin dabei, als ein Intelligenztest mit einem Elefanten gemacht wird. Beziehungsweise ich mache mit! Alles wird genau festgehalten. Fotos machen kann ich nicht, denn das Experiment ist noch nicht abgeschlossen. Aber auch hier werden die Tiere bestens behandelt, es geht darum, dass geprüft wird, wie viel Gedächtnisleistung das Tier bringen kann.


Dann treffe ich die Tierärztin Cherry, die mir erklärt, woran man erkennen kann, ob ein Tier gesund ist. Das Augenscheinliche ist klar: hat der Elefant Verletzungen an der Haut auf, stammen diese mit aller Wahrscheinlichkeit vom Menschen. Wichtig ist auch, dass das Tier wohl genährt sein muss und man keine Rippen sehen darf.  Und vor allem aber brauchen Elefanten genügend Auslauf, bewaldet muss das Quartier sein, denn sie brauchen Schatten und einen nahen Fluss oder einen See um sich in der Hitze abzukühlen. Hier im Camp finden die Tiere ideale Bedingungen vor und werden gehegt und gepflegt. Davon habe ich mich überzeugen können. Ich darf auch das Dorf der Mahouts besuchen. Die Mahouts sind alle freundlich und geübt im richtigen Umgang mit den Elefanten. Aber es gibt natürlich Camps, in denen es den Elefanten nicht so gut geht. Wenn man also als Tourist so etwas mitmacht, dann sollte man sich fragen, warum so ein Elefantenritt in einigen Camps nur 200 Baht kostet. Davon kann weder der Mahout noch ein Elefant vernünftig leben.




Am darauffolgenden Tag begegne ich den Elefanten ganz anders und habe keine Scheu mehr von ihnen. Ich gebe ihnen zum Frühstück Bananen und Gurke und traue mich sogar, den Puls zu fühlen. Das macht man hinter dem fleischigen Ohr.  Beim Besuch bei der Tierärztin war das genau der Moment in dem sich mein Herz für die Dickhäuter so richtig geöffnet hat – als ich seinen Herzschlag spüren konnte. Ich bin sehr glücklich, dass ich das erleben durfte. Und ich kann ganz stolz sagen: Ich bin jetzt Elefanten Flüsterin.

Wer helfen will, kann die Stiftungen auch mit Spenden unterstützen oder sogar einen Elefanten symbolisch adoptieren. Mein Dank geht an das Four Seasons Tented Camp für dieses einmalige Erlebnis.!

9 Kommentare:

  1. Toll liebe Gigi!!! Und auch ein ganz tolles Video. das habe ich grade meinem Kollegen gezeigt! :-) *stolz* Deine Sis

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  2. Eine wahnsinnig schöne Erfahrung, die du da machen durftest! Und ich finde es toll, dass du uns daran teilhaben lässt!
    Weiterhin eine fantastische Reise wünscht dir Liesa

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    1. Vielen lieben Dank Franziska! :)))))

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  3. Wow! Deine Reise ist der Wahnsinn! Und was für ein einmaliges Erlebnis das sein muss auf dem Rücken der Elefanten!
    Danke fürs zeigen!

    <3

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  4. Was für ein bewegender Bericht mit einem solch traurigen Hintergrund. Welch ein Glück, dass es immer wieder Menschen auf der Welt gibt, denen das Not und Elend von Mitmenschen/Tieren nicht gänzlich egal ist. Und daraus entstehen dann solche Projekte wie die Golden Triangle Foundation. Auch das Programm, welches die Gäste des Camps erleben dürfen, klingt einmalig und absolut großartig. Da hätte ich wahnsinnig gerne mit dir den Platz getauscht. Alleine schon, um diesen sanften Riesen einmal nahe sein zu können. Danke für das ausführlich niedergeschriebene Erlebnis und deine Eindrücke - so konnte ich für einige Minuten ein wenig mitfühlen und erleben!

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    1. Danke liebe Margit. Ich habe seit dem auf der ganzen Reise ein sehr wachsames Auge gehabt - weil mir auch deutliche Zeichen erklärt wurden, wie man erkennen kann ob eben eine Elefant gesund ist und gut behandelt wird, oder nicht. In Kambodscha habe ich dann etwas gesehen, dass mir das Herz zerissen hat. Elefanten.Ritte wurden für 20 Dollar angeboten! Damit schafft es kein Mahout sich und seinen Elefanten über die Runden zu bringen. Ich hoffe, dass viele Touristen das erkennen und nur noch bei ausgewählten Touren mitmachen - auch wenn es etwas mehr kostet. So viel sollten uns die Elefanten wert sein! :-) Ganz liebe Grüße, Angie

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  5. Hallo liebe Angie,
    2014 werde ich mit der Schule fertig sein, und ich überlege was ich in meinem Zwischenjahr machen könnte. Habe gerade eine Dokumetation namens "Elefanten Flüsterin" gesehen, und bin so auf deinen Blog gekommen. Ich würde sehr gerne auch solche Erfahrungen sammeln wie du. Ist der ganze Aufenthalt dort nicht teuer? Was würdest du empfehlen (auch welche Jahreszeit,.)?
    Ganz liebe Grüße aus Österreich :)

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