Erinnert ihr euch noch daran, dass in den USA ernsthaft
mal die „French Fries“ wie sie dort heißen in „Freedom Fries“ umgetauft wurden? Bah. Auf wie viele dumme Ideen
man kommen kann. Aber zurück zur wahren Fritte. Französisch ist die Fritte
natürlich nicht. Sondern Belgisch. Hier heißen sie Frit oder Frite und das
besondere an ihnen ist der knusprige und feine Geschmack, weil zweimal
frittiert. Wer nur die Pommes von Mäcces & Co kennt, wird entzückt in die
Luft springen, wenn er mal das Glück hat, an der belgischen Variante zu
knabbern. Aber: auch hier sind die Unterschiede natürlich groß. Grund genug,
mich in mein Superheldenkostüm zu schmeißen und zu „Superfry“ zu mutieren - mit
der Mission, die besten Pommes in Brüssel zu finden.
Harte Recherche ist natürlich alles. Und da es mir unmöglich
war, in zweieinhalb Tagen alle Pommesbuden von Brüssel durchzuprobieren, hörte
ich mich vorab bei Experten um, las eine Menge über die Brüsseler Fritte im
Internet und zog so langsam aber sicher der Kreis immer enger.
Zum Schluss blieben drei Buden übrig.
Die erste Bude befindet sich mitten in der Brüsseler
Innenstadt hinter der Börse. Sie wird sicherlich jeden Tag von unzähligen
Touristen besucht. An diesem heißen sonnigen Freitag war ich eine von ihnen. Fritland
heißt sie. Der Frittenmann hinter der Theke war zu Scherzen aufgelegt und
flirtete mit mir, was das Zeug hielt. Aber auch das konnte nicht darüber
hinwegtäuschen, dass hier nach meinem Geschmack eindeutig zu schnell gearbeitet
wurde. Klares Indiz: die Pommes waren für mich zu hell, das habe ich schon aus
weiter Entfernung gesehen. Der Frittenmann zwinkerte mir zu uns sagte „Für
disch mache isch extra leckere Sauce“. Oh ho. Drei kleine Saucen hatte ich
folglich in einem kleinen Plastikschälchen – und auch die Pommes kamen nicht
wie sonst in Belgien üblich in einer Tüte, sondern einer Schale daher. Ganz
wichtig finde ich übrigens, dass man die Sauce nicht auf die Pommes flatscht,
sondern extra aus einem Schälchen dippt. Erster Geschmackstest: es fehlt an
Salz! Hatte sich der Frittenmann also
doch nicht in mich verknallt, alles nur Show! Der Schuft. Zweiter Geschmackstest:
es fehlte mir an Biss. Die Saucen (unter anderem Pickles, die man weiß Gott
nicht bestellen muss) waren okay, aber auch nicht umwerfend.
Mein zweiter Besuch folgte am Tag drauf – im Brüsseler
Bezirk Ixelles der nicht mehr zum touristischen Zentrum der Stadt gehört. Hier
steht die Frit’ Flagey, auf dem gleichnamigen Platz. Normalerweise bilden sich
vor dieser mobilen Bude meterlange Schlangen, denn sie hat ebenfalls einen
guten Ruf – allerdings weniger unter Touristen, die den Weg hieraus scheuen,
sondern unter den Brüsselern. Ich war also direkt nach einem Pommesfan vor mir
dran und bestellte eine petit Frites, dieses Mal mit einer Béarnaise Sauce und der Andalouse-Sauce. Schon der Anblick
der gefüllten Tüte war prächtig: dunkles Gold, an manchen Ecken eine Dieter
Bohlen-Gesichtsfarbe. An besagten furchtbar – als Bräunungsgrad meiner Pommes:
exzellent! Dann der erste Biss: knusprig, perfekt gesalzen, nicht zu fettig und
voller Kartoffelgeschmack. Herrlich! Die Saucen: schön dick, cremig und voller Geschmack.
Am besten hat mir die Béarnaise geschmeckt.
Mein dritter und letzter Besuch stattet ich der über
Brüssels Grenzen hinaus bekannten Bude Maison Antoine ab. Auch diese liegt für
den faulen Touristen nur schwer erreichbar im Europa Viertel der Stadt. Die
nächste bequeme U-Bahn Station ist eine knappe Viertelstunde Fußmarsch
entfernt. Dank der Superkräfte von Superfry natürlich kein Problem. Und so
stand ich dann am Sonntagmittag wieder für ne Tüte Pommes an. Auch hier war die
Schlange erstaunlich und außergewöhnlich kurz. Auch hier war es den Außentemperaturen
von 35 Grad geschuldet. Normalerweise steht man gut und gerne eine Stunde an.
Bei dieser Bude fiel mir auf, dass die Dame an der Fritteuse freundlich die
witzige Frage „Wie groß ist ihr Appetit“ auf Französisch stellte. Die Antwort
petit oder grande bestimmt dann eben über die Tütengröße. Sehr apart. Ich
bestellte die Sauce Mega (weil sie sich so schon anhörte) und zum Vergleich
noch eine Andalouse. Der Blicktest war
sehr positiv: auch hier waren die Pommes goldig braun und versprachen
Knusprigkeit. Der erste Geschmackstest war ebenfalls positiv aber der zweite
brachte dann die Entscheidung, denn aus welchen Gründen auch immer, erkalteten
diese Pommes hier recht schnell und schmeckten dann fad. Die Saucen waren
sicherlich ein Genuss, aber wenn die Fritten kalt sind, machen auch die besten
Saucen keinen Spaß mehr.
Fazit: zehn von zehn goldenen Superfry-Pommes erhält
eindeutig die Frit’ Flagye.
Acht von zehn goldenen Pommes erhält das Maison Antoine.
Vielleicht hatte die geringe Kundschaft dazu verleitet, die Pommes zu lange
liegen zu lassen? Wer weiß!
Nur vier von zehn goldenen Pommes bekommt Fritland. Hier
braucht es glaube ich die Erkenntnis, dass manche Touristen theoretisch wieder
kommen würden. Wenn die Pommes besser wären.
Eine interessante Bemerkung möchte ich aber noch loswerden.
Weil die Belgier so eine hohe Meinung von ihren Fritten haben wird die Speise
und ihr Verzehr respektiert und toleriert. So auch in fast allen die
Frittenbuden umgebenden Cafés und Kneipen. Man kann sich mit seinen Pommes
einfach dort niederlassen –sollte aber natürlich ein Getränk bestellen. So viel
Pommestoleranz wünsche ich mir hier auch. Ja gut - und so tolle Pommes natürlich!












Oh Mann wie lecker. Gute Tips, danke. Muss ich auch machen
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Lissi
Hallo Reisefreunde, Ich dachte immer, die Pommes kaemen auch Frankreich. Danke fuer die leckere Aufklaerung. ich probiere das demnaechst aus, wenn ich da bin.
AntwortenLöschenMacht weiter so. Ist immer lustig von euch zu lesen. Nicht so ein Quatsch wie in Reisemagazinen.
Heike (eine Deutsche in Glasgow)