"Lookin for Jonny" lautet der Titel des Weltreisenden Dennis, der vor knapp einem Jahr auszog, um das Weite zu suchen. Wir haben ihn bisher mit großer Spannung und Achtung auf seinem Blog, bei Facebook und bei Twitter verfolgt. Haben uns nicht satt lesen können an seinen schönen, lustige, traurigen, aufwühlenden Worten von unterwegs. Ihm haben Eichhörnchen aus der Hand gefressen, er hat in Asien einen Tanzkurz belegt, wurde auf eine ausschweifende Hochzeit eingeladen, ist an einem Traumstrand kollabiert, hat sich in eine Insel verliebt, ist von einem Düsenjet geärgert und verletzt worden und und und. Nicht mehr lange, dann ist seine Reise zu Ende. Dann hoffen wir darauf, dass er mal bei uns am Küchentisch sitzt und alle unsere weiteren Fragen beantwortet. Bis dahin haben wir ihm per e-Mail die wichtigsten rund um seine Reise geschickt:
Reisefreunde: Wie bist du auf die Idee gekommen auf Weltreise zugehen?

Dennis: Ich reise schon immer gerne, wer tut
das nicht! Mein größter Traum war es, einmal in die Südsee zu reisen, an den
schönsten Stränden der Welt in der Sonne zu braten, puderfeinen weißen Sand
unter meinen Füssen zu spüren und auf eine türkisblaue Lagune zu schauen. Und
wenn ich schon mal da unten bin und einen 30 Stunden Flug hinter mich gebracht
habe, der mich ein Vermögen kostet, auch einen Abstecher nach Australien zu
machen. Und Neuseeland muss man schließlich auch gleich mitnehmen liegt nun mal
auch in der Nähe...so kommt man schnell auf 5 Monate. Wenn man einige Zeit
gearbeitet hat, kommt dann irgendwann dieses „Das-hab-ich-mir-verdient-Gefühl“
auf, dem man Rechnung tragen will. Eine Auszeit nehmen, die Arbeit, Arbeit sein
lassen und mal was zurück bekommen, sich was gönnen. Wenn einem bewusst wird,
wie schnell das Leben vorbei sein kann und das man im Grunde sein Leben lang
für etwas spart, das sich Rente nennt, ohne die Gewissheit, diesen Lebensabschnitt
jemals erreichen zu können, macht es irgendwann klick. Ich arbeite jetzt, also
will ich auch jetzt leben.
Reisefreunde: Wie lange bist du schon unterwegs und wie lange wirst du
noch unterwegs sein?
Dennis: Ich bin „im 11. Monat“ und arbeite
mich langsam wieder Richtung Heimat. Vielleicht noch zwei oder drei Monate, mal
schaun. Einen Plan gibt es schon lange nicht mehr. Ich entscheide heute, was
ich morgen mache und wo ich übermorgen hinreise.
Reisefreunde: Welche Länder hast du schon bereits und welche Länder willst du
noch sehen?
Dennis: Ich habe mit der klassischen
Weltreiseroute angefangen, bin dann etwas abgedriftet und schließlich im
Zickzack gereist (weiß auch nicht, was da los war).
Ich war in Thailand, Malaysia,
Singapur, Indonesien, Australien, den Cook Islands, Bora Bora, Tahiti und 3
weiteren Inseln auf Französisch Polynesien, bin dann wieder zurück nach Bali
und Singapur (weil´s so schön war), Kambodscha (Achtung, hier gibt es keinen
Mac Donalds!), zum dritten mal nach Singapur, dann Hong Kong, Macau, in die USA
und die Karibik - Dominikanische Republik, Puerto Rico und St. Maarten auf den
niederländische Antillen, nochmal zurück in die USA und bin nun in Israel
gelandet. Nach Israel geht’s sicher nach Jordanien und Griechenland und der
Rest Richtung Deutschland ist offen, vielleicht Spanien, vielleicht Italien,
vielleicht die Türkei.
Reisefreunde: Erzähl uns von deinem schönsten Erlebnis auf der Reise!

Dennis: Unheimlich emotional zerrüttend aber
eben auch schön ist es, zu realisieren, dass man sich irgendwo weit weit von zu
Hause entfernt „zu Hause“ fühlt. Und das kommt nicht oft oder gar nicht vor. Es
ist schnell mal eben gesagt, dass man irgendwo an einem Traumstrand leben
könnte. Das halte ich aber für absoluten Unsinn. Bora Bora ist sicher eine der
schönsten Orte, die ich jemals sah, und leichtfertig ist daher gesagt, dass man
am liebsten dort bleiben würde, spätestens nach 2 Monaten würde ich jedoch mit
dem Kopf gegen die Wand rennen. Und dann sind da diese unerwarteten Orte, die
es in sich haben. Die vielleicht keinen Strand zu bieten haben, kein Meer, keine
großartigen Sehenswürdigkeiten, aber die Dir das Gefühl geben, Du bist
angekommen, hier willst Du bleiben. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, das
ist der Sechser im Lotto des Weltreisens und kann womöglich Dein gesamtes Leben
umkrempeln. Und das hat im Wesentlichen nur mit einem zu tun – Menschen!
Reisefreunde: Und das bisher enttäuschendste Erlebnis?
Dennis: Australien!
Reisefreunde: Wie und warum bist du auf die Idee mit dem Blog gekommen?

Dennis: Im Vorfeld einer Reise sind Blogs die
rettenden Anker, die einem in der Planungsphase unheimlich weiterhelfen und
auch motivieren, an seinen Plänen festzuhalten, gerade, wenn man den großen
Schritt geht, Job und Existenz in Deutschland aufzugeben. Ich wollte meine
Erfahrungen ebenfalls weitergeben an diejenigen, die sich wie ich, ebenso
planlos und hilflos fühlten, als die Idee Formen annahm. Außerdem hielt ich es einen
Blog für die beste Form, meine Erlebnisse als Alleinreisender zu verarbeiten
und mit jemandem zu teilen – eben mit der ganzen Welt. Und das hat sich bestätigt,
meine Erinnerungen sind wesentlich stärker, mir wird beim Schreiben zum Teil
erst bewusst, was ich erlebt und wie ich es empfunden habe und ich dokumentiere
für mich selbst das schönste Jahr meines Lebens. Sich aufzuraffen, ein Tagebuch
zu schreiben, das niemand liest, ist wesentlich schwieriger, als zu bloggen,
insbesondere, wenn Leserzahlen rasant ansteigen und man plötzlich Feedback und
sehr nette Mails erhält. Vielen Dank dafür.
Reisefreunde: Du schreibst in deinem Blog wirklich sehr persönlich, wie
reagieren deine Leser darauf? Musst du dich manchmal zurücknehmen?

Dennis: Ja, muss ich. Auch wenn ich
unheimlich viel positives Feedback erhalte, dass man sich als Leser oftmals wie
ein „Mitreisender“ fühlt. Es gibt Dinge, die ich wieder herausnehmen muss, weil
man sie einfach erlebt haben muss, um die Erlebnisse nachvollziehen zu können.
Sonst wirken sie lächerlich oder überzogen. Oder aber ich müsste hundert Seiten
mehr schreiben, um die Umstände detaillierter zu beschreiben. Außerdem gibt es
Dinge, über die man nicht schreiben kann, weil Blogleser relativ sensibel
reagieren und bestimmte Dinge nicht lesen wollen, meist leider die negativen
Erlebnisse, obwohl sie es sind, die Dich letztendlich auf der Reise maßgeblich
prägen. Man liest halt lieber über Traumstrände als Krankheiten oder lieber über
relaxtes Inselleben, anstatt Überfälle, Unfälle und Kriminalität. Ein wenig
Stoff muss ich mir auch fürs Ende aufbewahren...das Beste kommt bekanntlich
immer zum Schluss. Vielleicht werde ich dann nochmal sehr persönlich. Es gibt
unheimlich viel Interessantes, Skandalöses und Schönes, über das ich bisher
bewusst nichts gebloggt habe.
Reisefreunde: Gab es Situationen, in denen du deine Weltreise in Frage gestellt
hast? Wenn ja, in welcher? Wie hast du dich danach wieder motiviert?

Dennis: Ich habe die Reise nie infrage
gestellt, bis ich die Armut in Kambodscha, neben den üblichen Touristenpfaden
sah. Und damit meine ich nicht bettelnde Kinder am Strand, sondern wirklich
schreckliche Bilder von im Müll wühlenden Kindern, die nach Essbarem oder allem
Verwertbarem gesucht haben, vor Dreck stanken und mit einem derart leeren
Gesichtsausdruck vor mir standen, dass ich mich für alles schämte, was ich
besaß, tat oder wer ich war. Ein Vermögen für eine Reise auszugeben, während
andere Menschen hungern, war für mich zunächst tatsächlich fragwürdig.
Allerdings bin ich im Nachhinein dankbar für diese Erfahrung und habe nur durch
diese Reise die Möglichkeit gehabt, damit konfrontiert zu werden. Das ist auch
das beste Beispiel für den Wert des Blogs. Denn durch ihn hatte ich die
Möglichkeit zum einen mein Erlebnis zu verarbeiten, zum anderen, mich mit dem
Thema auseinanderzusetzen und außerdem, es weiterzugeben an andere Reisende.
Das hat mich letztendlich auch motiviert, das Erlebnis für mich positiv und
nicht negativ zu werten.
Reisefreunde: Was hast du bisher über dich oder das Reisen gelernt?

Dennis: Dass jeder Gedanke, dass es sich
dabei um einen langen Urlaub handelt, reine Illusion ist. Urlaub und Weltreisen
sind zwei Paar Schuhe. Ich habe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
mehr Stress, als zuvor im deutschen Alltag mit einem Vollzeitjob. Der geht eben
nur von 8 bis 16 Uhr und das Wochenende ist frei. Reisen ist ein Vollzeitjob, nimmt
unheimlich mit, ist anstrengend, kann frustrieren, es klappt nichts, wie Du es
erwartest, die Organisation unterwegs nimmt wahnsinnig viel Zeit in Anspruch,
Beschaffung von Informationen ist selbst im Internetzeitalter in vielen Ländern
ein Abenteuer, Reiseführer sind für die Tonne, und trotz allem...es ist das
größte Projekt Deines Lebens und letztendlich doch wieder wunderschön, weil Du
an scheinbar unüberwindbaren Herausforderungen gewachsen bist. Für daheim
gebliebene wird das lächerlich klingen. Aber die Realität sieht so aus, dass
man zu Hause ein wahnsinnig gemütliches Leben führt, seine Komfortzone
praktisch nie verlassen muss, während man unterwegs Lebensumstände akzeptieren
muss, zu denen man in Deutschland vielleicht niemals bereit gewesen wäre.
Reisefreunde: Was kannst du anderen mit auf den Weg geben, die ebenfalls eine
Weltreise planen?
Dennis: Nicht zu viel zu planen. Maximal die
ersten zwei Monate machen Sinn und dann kommt definitiv alles anders, als man
denkt. Meine Erwartungen wurden fast nie erfüllt. Es war immer komplett anders,
als ich es erwartete. Und die Liste der zu bereisenden Länder wird sowieso
länger anstatt kürzer. Man erhält so viele Tipps von anderen Reisenden und
ändert seine Route schneller, als gedacht.
Und ich würde empfehlen, regelmäßig
Pausen einzulegen und auch mal 3 bis 4 Wochen an einem Ort zu bleiben. Aber
vorsichtig bei längeren Aufenthalten. Die nächste Herausforderung ist dann, rechtzeitig
wieder den Absprung zu schaffen. Das war für mich vor allem in Singapur eine
unmenschliche Herausforderung und ist mit unerwartet intensiven Emotionen
verbunden, die man so vielleicht noch nicht von sich kannte.
Reisefreunde: Und nun noch eine kleine Liste, bei der wir dich bitten möchten
ganz kurz und knapp zu antworten:
Reisefreunde: Was vermisst du?
Dennis: Körnerbrot
Reisefreunde: Welches Reiseutensil ist ein MUSS für
Weltreisende?
Dennis: Ohrenstöpsel
Reisefreunde: Was braucht man nicht?
Dennis: Das kurioseste und unnötigste was ich
bei mir hatte war eine...(festhalten) Alarmanlage für Rucksäcke. Habe ich nach
2 Monaten zurückgeschickt nach Deutschland. So ein Schwachsinn.
Reisefreunde: RTW-Ticket oder selber buchen?
Dennis: Auf jeden Fall selber buchen.
Flexibilität wiegt stärker als Kostenersparnis.
Reisefreunde: Lieber Strand oder Land?
Dennis: Eindeutig Schlaand!
Vielen Dank an Dennis - auch für die wunderschönen Fotos. Und euch Reisefreunden sei noch mal ans Herz gelegt, lest Dennis Blog!!!!
Habt ihr Fragen an Dennis????