Die coolste Kleinstadt Amerikas

Berlin in Maryland

Zum Meer, zum Meer ....

Auf dem zur Küste von Virginia

4,3,2,1... mein Geburtstag im Camper

Party auf vier Rädern, durch drei US-Staaten, mit zwei Freunden und einer Erkenntnis

Sweet home Alabama?

Abseits von Bluebell - kein Hart of Dixie

Buntes Mississippi

Roadtrip Südstaaten - auf den Spuren der Natchez Indianer

Das schwere Erbe der Südstaaten

Erste Einblicke hinter die schönen Kulissen

Mein Amerikanischer Traum

Roadtrip durch die Südstaaten der USA

Das Essen auf den Philippinen

Eine kulinarische Rundreise mit Reisefreunde

Von Delfing-Babies und Zicklein

Meine Tour ins Paradies nach Pamilacan

Ein perfekter Tag auf Bohol

Meine Lieblingsinsel auf den Philippinen

Warum ich auf Palawan im Knast gelandet bin

Und was PSY damit zu tun hat

Banaue: Der Schatz von Tan An

Reisen macht glücklich

"Don't be instant tourists"

Meine magische Begegnung mit Virginia, einer Reisbäuerin in den Philippinen

Betrübt nach Banaue

Unglück und Glück liegen manchmal nah beieinander

Sagada - wo die Särge hängen

Beste Aussicht für freie Seelen

Vigan, alte Stadt mit jundem Herz

Der Ort, an dem die Menschen mein Herz im Sturm eroberten

Die Philippinen - endlich!!!

Erster Stop: Tanz auf dem Vulkan Pinatubo

Reise durch Jordanien

Am Toten Meer und durch die Ruinen von Petra

Shanghai - eine erste Annäherung

Auf der Suche nach dem alten Shanghai

Inselhopping auf den Malediven

Und warum in meinem neuen Domizil ein Sofa im Sand steht

Kapstadt: Unterwegs mit der Condor Crew

Ihre besten Tipps für die Metropole Südafrikas

Mein Tag als Flugbegleiterin bei Condor

Nenn mich bloß nicht Saftschubse

Curacao: Ich mach dann mal blau

Auftakt zu einer bunten Reise

Mein Wochenende in Brügge

Eine überraschend schöne und ruhige Stadt

Unendliche Weiten

Mein Bilderbuch Amerika - aus der Windschutzscheibe

Hit the road, Gigi

Zum ersten Mal in meinem USA Road Trip Wohnmobil

Heartland USA: Start ins Abenteuer

Und am liebsten gleich alles nochmal...

Singapur - im Streetfood Himmel

Einen ganzen Tag lang nichts als bestes Essen...

Schatzsuche im Bretonischen Meer

Und man denkt, man ist in einem Film gelandet

Ein Sommer-Wochenende in Glasgow

Das coolste Hotel und die besten Locations in der schottischen Metropole

Lyon im Sommer

Ein echter Vintage-Traum

Ein perfekter Tag in Toronto

Die besten Restaurants und ein luftiges Abenteuer in 24 Stunden

Von dichtenden Hummerfischern, coolen Köchen und Weinen, die Moose Juice heißen

Ein perfekter Tag in der Eisberghauptstadt Twillingate

Gourmet-Segeltrip an der Smaragdküste

Ein Tag wie aus dem Bilderbuch....

Seychellen - Ankunft im Paradies

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Auf Safari in Südafrika

Die Big Five in drei Tagen - mit Video

Tipps für Alleinreisende Frauen

Wie man auch allein sicher unterwegs ist...

Rhône-Alpes... im Französischen Schlaraffenland

Auftakt zu einer Reise zu den Sternen

Best of: Meine Mini-Weltreise

Mit Video und kleiner Statistik à la Reisefreunde....

Auf Fototour durch Angkor Wat

Wer lernen will, muss früh aufstehen....

Letzte Etappe Kambodscha

Wiedersehen mit zwei Freundinnen und Schock in Siem Reap....

Saigon: Mein herzensguter Abschied aus Vietnam

Und was ein Polizist und eine alte Frau damit zu tun haben....

Bäuerin für einen Tag

Und warum ich in ein Korianderbeet gesprungen bin...

Die Elefanten-Flüsterin

Unterwegs mit den Dickhäutern im Goldenen Dreieck von Thailand

Die coolste Kleinstadt in den USA

Klopf Klopf... die Tür knarrt ein wenig, als ich mich dagegen lehne und sie aufdrücke. Eine kaugummikauende Frau mittleren Alters schaut mich fragend durch die Glasscheibe zwischen mir und ihr an. Ihre dunklen Haaren wehen im Wind des alten Ventilators der neben ihr steht. In der winzigen Polizeistation riecht es nach geputztem Linoleum und viel zu schwachem Kaffee. „Hi“ sage ich, „I am from Berlin, Germany. Is there maybe an officer who would like to be on a picture with me?“ Ihre Augenbrauen ziehen sich zusammen – zuerst denke ich sie versteht mich nicht. Es dauert aber nur eine weitere Sekunde, dann lächelt sie und antwortet: „Sure honey, I'll check“ - steht auf, geht nach hinten und kommt mit einem Beamten in Uniform wieder. Ende dreißig ist er wohl, hat etwas zu viel auf den Rippen, trägt ein einfaches Brillengestell und fixiert mich mit seinen kleinen runden Augen. Nachdem ich mich noch einmal erkäre, taut er auf und macht den kleinen Spaß freundlicherweise mit. Jeffrey Lawson heißt er - tatsächlich... "der Sohn des Gesetztes" - und lächelt nicht nur verschmitzt in die Kamera, er schenkt mir auch noch etwas: ein nagelneues Polizei-Abzeichen seiner Stadt. Was für ein schöner Empfang. 

Ach ja, vielleicht sollte ich das mal kurz erwähnen. Die winzige Stadt, in der ich mich befinde, heißt wie die Stadt in der ich lebe: Berlin. Allerdings liegt sie in Maryland, USA. Dieses Berlin hat knapp 4.500 Einwohner, im Sommer sind es auch mal mehr. Wie eine Lebensader durchzieht, typisch Amerika, eine schmale Hauptstraße die Kleinstadt - an ihr sind fast alle Geschäfte zu finden. Und das sieht besonders hübsch aus. Die meisten Häuser der Mainstreet sind aus rotem Backstein im viktorianischen Stil gebaut, die Fußwege vor den Ladenfenstern sind ansehlich überdacht. Es gibt kostenloses Wifi für Besucher in der Stadt, ein kleines Hotel mit (wie man mir mehrfach versichert) guter Küche, zwei ganz hübsche Cafés und anscheinend ein intaktes Gemeinde-Leben.

In Berlin werden alljährlich ein smoothes Jazz und Blues Festival und andere skurrile Festivitäten wie das Badewannenrennen, das köstliche Pfirsich-Fest oder das High-Heel-Race veranstaltet. Der pittoreske Ort wird von hübschen Villen umzingelt, alle mit gepflegtem Vorgärten und frisch getünchten Fassaden. Vielleicht sind all dies Gründe, warum Berlin in diesem Jahr von den Lesern des Magazins "Budget Travel" zur coolsten Kleinstadt Amerikas gewählt wurde. Ich finde: zu Recht!

Die schöne Atmosphäre der Stadt ist umso eigenartiger, weil rundherum in angrenzenden Gemeinden und Örtchen einfach mal gar nichts los ist. Ganz im Gegenteil: hier sind teilweise die Häuser verfallen und man kommt sich vor, als würde man durch Geisterstädte fahren. Aber in Berlin, Maryland blüht das Leben. Sprichwörtlich. Pralle Blumen überall, die Häuser sind renoviert, die Feuerwehrautos blitzeblank geputzt. Auf der Straße grüßt man sich natürlich und schnackt miteinander. Und anscheinend legen die Marylander Berliner Wert auf gute Ernährung: es gibt einen kleinen Bioladen und eine Weinhandlung - und ich bekomme mit, wie die Besitzerin eines schönen Cafés mit dem Pastor der Gemeinde plaudert und ihm wohlwollend rät, er solle doch lieber mal einen guten Tee statt so viel Kaffee trinken. Bilderbuch Amerika.

Im zweiten Café, dem Berlin Coffee House, komme ich mit dem Mitarbeiter ins Gespräch und durchlöchere ihn mit Fragen. Dabei lerne ich, dass Berlin natürlich ÜBERHAUPT nichts mit meinem Berlin in Deutschland zu tun hat, sondern von einem Familiennamen stammt. Die Familie Burleigh betriebt hier einst eine Herbege, ein „Inn“ – und irgendwann wurde der Einfachheit halber einfach Berlin draus. Aber mein Berliner Bürgermeister Wowereit sei trotzdem schon mal da gewesen. Und nicht nur der. Vielleicht kennen romantisch veranlagte Leser diesen Ort aus der Hollywood-Schmonzette "Die Braut, die sich nicht traut" mit Julia Roberts und ihrem ewigen geliebten Richard Gere? Ich hab den Film glaube ich nicht gesehen, hole das aber mit Sicherheit nach!

Einen Block weiter entdecke ich einen bunten Shop mit hübschen T-Shirts aus Berlin. Der Lokalpatriotismus scheint mich schnell angesteckt zu haben, nicht mal von meinem Berlin habe ich ein T-Shirt, hier in Maryland finde ich eins, das mir gefällt. An der Kasse komme ich mit dem Besitzer des Ladens ins Gespräch. Er heißt Steve Frene und erzählt mir mit strahlenden Augen und geschwellter Brust, dass er ein Lied über seine Stadt geschrieben hat - und dass es sogar ein Video dazu gibt. Schon auf dem Weg zu meinem Wohnmobil lade ich das Video auf meinem Handy und höre und schaue es mir an. Ich finde den Ohrwurm tatsächlich sehr eindringlich und kann nicht anders: ich reiche ihn einfach an euch weiter. 



So schön kann Berlin sein - nicht nur mein großes Berlin, das ich so liebe. Irgendwann in diesem Leben will ich noch einmal wieder kommen und etwas länger zu bleiben. Und vielleicht werde ich dann mit den Bewohnern einen Eistee schlürfen nachdem ich beim Badewannenrennen mitgemacht habe. Oder ich könnte mit den Jungs der Feuerwehr ein paar fette Steaks braten und mit Steve ein neues Lied singen? Oder sogar mit Jeffrey einen Tag Streife zu laufen? Ich als Praktikant in Berlin, Maryland sozusagen. Ich könnte mich ja mal bewerben, oder? 


Hoffentlich lautet die Antwort dann auch „Sure honey!“.

Danke an CU Camper für die Unterstützung meines Wohnmobil-Roadtrips durch die USA.


Zum Meer, zum Meer ...

Mein Roadtrip durch die USA mit Wohnmobil nähert sich dem Ende. Also muss ich Strecke machen. Ganz fix will ich es nach Nordosten schaffen. In nur drei Tagen muss ich den Camper in Newark kurz vor New York abgeben. Leider.


Virginia ist mein nächster Staat. Ich muss selbstredend ständig an Virginia von Zucker Zimt und Liebe denken - meiner Freundin der Backbloggerin, deren Kuchen ich zwar nicht nachbacken kann (bin zu blöd zum Backen), aber deren Blog ich sehr gern lese. Und natürlich bekomme ich Hunger, als ich an sie denke. Ich halte in Williamsburg, Virginia. Die ganze Stadt soll im Prinzip ein Museum sein. Und tatsächlich: überall laufen Kostümierte herum, die historische Altstadt ist gut erhalten und liebevoll restauriert. Vielleicht ein Mü zu viel, aber untertrieben haben die Amerikaner ja noch nie. Nur einen Parkplatz finde ich nicht so leicht.

Tatsächlich habe ich in einem klassischen Reiseführer von einem Restaurant gelesen, dass sich spannend anhört. Im Chickahominy House wird seit fast 60 Jahren das Gleiche serviert – regionale Hausmannskost zu einem Spottpreis. Im kleinen Häuschen, das innen aussieht wie ein Wohnzimmer mit vielen kleinen Räumen, sitzen vor allem ältere Herrschaften und lassen es sich schmecken. 



Meine Kellnerin (die schnell zu meiner Lieblinsgkellnerin wird, Foto leider unscharf... ) bringt mir die Karte mit einem Lächeln, wie ich es sonst noch nicht gesehen habe. Oft wird man in den USA angelächelt, aber so herzlich wie hier wurde ich selten empfangen. Auf dem Menü lese ich viele Gerichte, die sich einfach aber lecker anhören, die Preise liegen alle unter 10 US-Dollar. Nur für den "Kombiteller" - die Empfehlung des Hauses - muss man etwas mehr bezahlen.



Ich nehme Chicken & Dumplings, von diesem Gericht hatte ich schon vorab online einiges gelesen –  einen Salat und dann noch ein Stück Kuchen. Das Essen kommt wieder mit einem Lächeln von meiner Kellnerin – und es schmeckt, auch wenn es hier auf dem Foto nicht sehr appetitlich aussieht, einfach köstlich. Eine Art Hühnerfrikassee, mit saftigem Fleisch, einer delikaten Sauce und darunter selbstgemachten Kartoffelknödeln! Bestes Soulsfood aller Zeiten! Wie bei Omma...


Satt und glücklich – in meiner allerliebsten Gemütsverfassung – starte ich wieder mein Wohnmobil, denn ich will ans Meer. 150 Meilen liegen noch vor mir – mein Ziel: Chincoteague Island in Virginia auf der Delmarva Halbinsel. Ich fahre durch zwei ewig lange Tunnel und über ewig lange Brücken. Beim Bezahlen der Maut werde ich übrigens vorher gefragt, ob ich mein Propan-Gas abgestellt habe. Ich lüge „Ja sicher“ – und man glaubt es mir. Uff. Keine Ahnung, wie man das Gas am Camper abstellt...


Nach fast drei Stunden erreiche ich mein Ziel. Chincoteaque ist ein Badeort, wie er im Bilderbuch steht - zumindest wie ich ihn mir vorgestellt habe. Kleine bunte Häuser zieren die Hauptstraße, es gibt süße Cafés, eine Menge nett aussehender Restaurants und Shops mit Strandequipment aller Art. Denn genau hinter dem Ort liegt das Meer. Der Strand liegt schon auf dem Gebiet eines Nationalparks. Aber erst mal fahre ich auf den Maddox Campground, der als einziger halbwegs bezahlbare Übernachtungspreise bietet. Ein bisschen Einbuße ist dann auch dabei – der Platz ist groß und nicht besonders schön, aber für eine Übernachtung soll es reichen. Immerhin habe ich nach einer endlich angenehm abgekühlten Nacht großes Glück: Mein Camper-Nachbar kommt kurz rüber und schenkt mir sein Ticket für den Eintritt und die Zufahrt in den Nationalpark! Er hatte ein Wochenticket – und so spare ich glatte 15 Dollar, die ich für ein Tagesticket hätten blechen müssen. Klasse!


Ich packe meinen Sachen zusammen, fahre vom Platz und rolle langsam Richtung Nationalpark, zeige meinen Pass vor, werde durchgelassen (innerer Jubel!) und bin froh, dass ich meine Klimaanlage anhabe und meine Fenster geschlossen sind, als ich durch ein sumpfiges Gebiet zum Strand fahre. Denn: Hier wimmelt es von fiesen fetten Bremsen. Sie sammlen sich vor meiner Scheibe  - und ich sehe am Straßenrand Wagemutige, die angehalten haben, um die hier lebenden Wildpferde in der Landschaft zu fotografieren. Die Fotos, denke ich, haben einen hohen Preis: wer sein Bild nicht verwackelt haben will, muss die Stiche der Bremsen über sich ergehen lassen...

Dann endlich sehe ich den Strand. Recht ungestüm treffen hier die Wellen des Atlantiks auf die weiße Küste. Der anfängliche Dunst legt sich und die Sonne kommt langsam hervor. Einige Familien tummeln sich am weitläufigen Ufer, die Möwen kreisen und es riecht nach Salz. Etwas wehmütig schaue ich nach Nordosten, nach Europa, genieße die Sonne und die Meeresluft und bin glücklich und traurig zugleich, schon so weit gekommen zu sein. Roadtripping öffnet mir immer das Herz, aber es zwickt gewaltig, wenn sich die Fahrt dem Ende nähert.

Fast schon ein letztes Mal: Danke an CU Camper für die Unterstützung!

 

4,3,2,1 ....mein Geburtstag im Camper

Es ist der 5. Juni - ein Tag vor mein Geburtstag. Ich werde ihn auf vier Rädern in meinem Wohnmobil feiern, durch drei US-Staaten fahren und dabei zwei der Menschen bei mir haben, die mir sehr am Herzen liegen. Denn meine liebsten Freunde Fatma und Axel - die mittlerweile in den USA leben - sind für ein paar Tage auf Roadtrip-Besuch gekommen. Was für ein Geschenk! 



Gemeinsam machen wir uns auf die Fahrt Richtung Smoky Mountains. Drei Staaten werden wir an nur einem Tag durchqueren - Georgia und Tenessee sind dabei, aber wir starten und enden in North Carolina - wir wollen zum Campinplatz am Persimmon Creek.

Ein Unwetter zwingt uns zum Zwischenstop. Es ist also schon stockdunkel, als wir auf den abseits gelegenen Platz rollen. Das einzige Licht das wir sehen sind Glühwürmchen, die uns hier einen Emfang bereiten, als stünden wir im Blitzlichtgewitter auf einem roten Teppich. Ich parke den Camper und wir wollen raus und uns die Glühwürmchen anschauen, als wir in der Nähe ein Knurren hören. Fatma und ich bleiben wie angewurzelt stehen. Gibt es hier Bären? Axel lacht.  Dann wieder: ein Knurren. Aber sehen können wir nichts,  die Nacht ist pechschwarz. Fatma und ich verschwinden im Wohnmobil, unser Held Axel muss in den Wagen gezogen werden. Kurz vor zwölf werde ich in die Fahrerkabine, hinter den Vorhang verbannt. Und dann darf ich endlich raus: meine süßen Freunde singen mir ein Ständchen und haben bei unserem letzten Stops klammheimlich einen Cupcake gekauft, der jetzt ganz herzig mit Kerzchen drauf vor mir steht. Ich bin zu Tränen gerührt. Wie lieb! Wir öffnen ein Gläschen Brut und sitzen noch etwas und reden. Es ist schön, beide wieder um mich zu haben. Lange sind sie noch nicht in den USA, aber jeder Tag ohne sie in der Nähe zu wissen fällt schwer. 

Mein Geburtstagsmorgen bergüßt uns noch schöner als erhofft aus. Die Sonne scheint, obwohl starker Regen angesagt war, und endlich sehen wir auch die Umgebung um uns herum. 



Der Campinplatz ist besonders hübsch, ein kleiner Teich liegt vor uns, ein Bächlein rauscht, wir sind von Wald und Vogelgezwitscher umgeben. Wir hatten gelesen, dass fast der komplette Cmapingbetrie nachhaltig ist - eine Seltenheit in den USA.

Frische Eier gibt es hier für die Camper zu kaufen und Axel spingt als erstes los um welche zu ergattern, weil ich mir "Eier im Glas" zum Geburtstag gewünscht hatte. Als er wieder kommt, hat er gleich die Besitzer des Platzes, Karen und Tony mitgebacht und wir plaudern noch etwas nach dem Frühstück. Beide sind freundlich und haben eine Menge zu erzählen.



Das Knurren, werden wir übrigens aufgeklärt, sei ein besonders lauter und fetter Frosch gewesen. Wir können nicht mehr vor Lachen. All die Aufregung umsonst! Was für Angsthasen wir sind!
Noch Stunden hätten wir bleiben können, aber wir müssen los - nach Asheville, weiter Richtung Smoky Mountains. Wir wissen nicht so richtig, was uns erwartet, wir hatten nur gelesen, dass Asheville recht hip sein sollte. Aber was heißt das schon. 

Vorbei an den dramatisch schönen Ausläufern der Smokys kommen wir irgendwann endlich an und können nicht fassen, was wir sehen: in Asheville jagt eine coole Ecke die nächste.




Es gibt deutlich viele Bioläden, etliche Cafés, eine Menge junge Studenten, die mindestens genauso cool und urban wie in jeder hippen Metropole ist. Asheville ist verhältnismäßig klein und doch eine richtig schöne und lebensfrohe Stadt. 

Wir gehen erst noch mal einen zweiten Geburtstagskuchen essen (hehe), und nachdem wir uns einen der letzten Plätze auf dem nahgelegenen Campingplatz gesichert haben, hauen wir uns abends auch noch eine Pizza rein. Natürlich bio und natürlich wahnsinnig gesund - in einem der coolsten Spots der Stadt.

Ein letztes Mal wechseln wir die Location und schlendern rüber ins Künstlerviertel von Asheville - in die Wedge Brewing Company und dem gemütlichen Biergarten. Die Sonne geht langsam unter, ich sitze mit Fatma und Axel zusammen, wie so oft früher bei ihnen im Berliner Garten, und wir reden und lachen bis es dunkel wird. 

Gute Freunde zu haben und bei ihnen sein zu dürfen ist das beste Geschenk, denke ich und bin sehr dankbar dafür  - und für diesen schönen Geburtstag.


Mein Roadtrip durch die USA wurden von CU Camper unterstützt.

 

Sweet home, Alabama?


Ach, du schöne heile Welt. Die ersten Bilder, die ich vom Staat Alabama sehe haben so gar nichts mit denen zu tun, die mir das Fernsehen in den Kopf gesetzt hat. Ab und an schaue ich peinliche Serien. Meistens wenn ich vom Jetlag geplagt bin und nicht schlafen kann. Eine davon ist besonders peinlich und wirklich schlecht gespielt, aber ich schaue sie trotzdem. Und ich weiß, dass die heile Welt darin völliger Quatsch ist. „Hart of Dixie“ heißt sie. Vielleicht kennt ihr sie. Sie spielt in der Bilderbuch- und Fantasiestadt Bluebell in Alabama. Dort laufen die Damen zurecht gemacht wie für eine historische Modeshow durch die wie mit Zahnbürsten polierten Straßen, überall sind Blumen gepflanzt und in der Bar „Rammer Jammer“ steht Wade – fast immer mit nacktem Oberkörper und lächelt mit strahlend weißen Gebiss. 

Im echten Alabama sieht die Welt anders aus. Natürlich wusste ich das. Aber selbst jede Alltags-Realität, die ich mir vorgestellt hatte, ist meilenweit von dem entfernt, was sich vor meinen Augen abspielt. Ich stehe an einer Tankstelle. Die Farbe an den Wänden blättert. Es dauert einige Zeit, bis sich mein Wohnmobil füllt. Der Tankwart erzählt mir, man könne mit einer Staatenfremden Kreditkarte nur bis maximal 100 Dollar auftanken. Ihm fehlen ein paar Zähne. Er ist vielleicht 30 Jahre alt. Gerade als er mir aus welchen Gründen auch immer noch verrät, dass es keine gute Idee ist, hier von irgendjemandem Drogen zu kaufen (wie wirke ich bitte auf andere????) geht die Tür hinter ich auf und ich erhasche einen Blick, der so verstörend wie irgendwas ist. Ein etwa 20jähriger Mann geht an mir vorbei. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie seine Blicke mich fixieren. Er sieht schlimm aus, so wie die Menschen aussehen, wenn man im Internet nach „Vorher / Nachher Bildern von Methsüchtigen“ sucht. Sein Gesicht spricht Bände: Nachher.

Ich zahle und gehe wieder zum Wagen. Es dauert noch etwas bis ich den Wagen starte, ich will in Ruhe mein Navi füttern. Im Rückspiegel sehe ich, wie sie der junge Mann noch einmal nähert. Er geht vor meinem Wagen vorbei, mustert mich durch die Windschutzscheibe und mein Herz pocht schneller. Hinter meiner verspiegelten Sonnenbrille verziehe ich keine Miene. Obwohl mein Herz spricht, was mein sich Mund nicht zu sagen traut: „Warum hast du dir das angetan?“.

Wenige Kilometer weiter fahre ich in die heile Welt eines Campingplatzes Hidden Cove RV. Ich war durch kleine Straßen gefahren, hügelig, durch Wiesen, habe Bauernhöfe gesehen, die dastanden, als würden sie auf einen Maler warten. Wie so oft in den Südstaaten passt die Schönheit der Landschaft nicht zu der Armut und zu den verschrobenen Ansichten vieler Menschen hier. Und als ob es der Reisegott versöhnlich mit mir meint, bekomme ich von Campingplatz-Mutti Becky, die mich mit strahlend weißem Lächeln begrüßt, den letzten freien Platz zugeteilt. Er wäre ein wenig abseits, sagt sie. Und ich müsse ordentlich rangieren. Das mache ich, denn als ich den Platz sehe weiß ich: er ist Gold wert. 

Hier will ich bleiben. Ganz am Ende des großen Areals: ohne Nachbarn, direkt an einem kleinen grasigen Hang zu einem glasklaren See. Ich stelle meine Schaltung auf „Park“, packe meine Stühle aus, rolle die Markise nach unten, gehe runter zum See und springe rein und schwimme. 


Erfrischend. Wohltuend. Versöhnlich.

Hier gibt es kein „Rammer Jammer“, es gibt keinen Wade, keine Mädchen in bunten Kleidern. Nur den Sonnenuntergang, den See, die Ruhe, mein Wohnmobil und mich.

Und ich bin froh, dass ich mich, am wohl schönsten Campingplatz der Südstaaten, ein wenig rausziehen kann aus der bitteren Realität. Ach, schöne heile Welt.  

Meine Reise wurde von CU Camper unterstützt.

Zu Hause bei Elvis

Das hatte ich mir irgendwie größer vorgestellt. Als ich in Tupelo auf den Parkplatz rolle und nach den üblichen vier freien Plätzen für mein Wohnmobil suche, sehe ich ein klitzekleines Häuschen und dahinter einen großen Neubau. Hä?

Zuerst denke ich: das kleine Holzhäuschen, was bei uns in manchen Schrebergärten steht, muss wohl das Ticketoffice sein oder irgendetwas anderes, aber schon nach ein paar Schritten wird klar: DAS ist das Haus in dem Elvis geboren wurde und aufwuchs. 

Ich schätze die Wohnfläche auf vielleicht gerade mal 25qm. Winzig. Kein Vergleich zu seinem Palast in Graceland. Am 8. Januar 1935 wurde der spätere Superstar hier in ärmsten Verhältnissen geboren. Sein Zwillingsbruder hat die Geburt nicht überlebt. 

Ich gehe zum Haus und öffne die Tür. Ein kleiner Blick kann nicht schaden und als erstes bellt mir jemand „You have to have a ticket to get inside“ entgegen. Na gut, denke ich, dann mal schauen was so ein Ticket kostet. Der große Neubau dahinter ist dann das echte Ticketoffice, Museum und Shop zugleich. 15 Dollar soll ein Ticket kosten - da es aber überhaupt keine erkennbaren Infos gibt, was es im Museum zu sehen gibt zögere ich. Ein richtiger Elvis-Fan bin ich nämlich nicht. Und als ich dann noch lese, dass es ein absolutes Fotoverbot gibt, entscheide ich mich gegen ein Ticketkauf. Weiter hinten im Shop wird mir dann auch klar: eigentlich muss der ganze Bau nur eine einzige Vermarktungsschleuder sein – denn der Shop scheint im Vergleich zum Museum enorm groß zu sein: Elvis auf Unterhosen, auf hässlichen Kühlschrankmagneten, auf furchtbaren T-Shirts. Auf wirklich jeden erdenklichen Gegenstand wurde sein Antlitz gedruckt. Ich finde das entsetzlich. Mir kommt ein Satz in den Sinn: "Es gibt hier nichts zu sehen, bitte gehen Sie weiter".




Draußen an einer nicht minder unpassenden Elvis Statur sehe ich einen jungen Mann Geige spielen. Ich gehe hin. Er wird fotografiert und gefilmt – von einem älteren Mann, anscheinend seinem Vater.

„Was machst du hier?“ will ich von dem Jungen wissen. Er erzählt mir, dass er aus Tupelo kommt und gerade an einem Promovideo bastelt, denn er sei Musiker. Sein Vater fügt hinzu, dass sein Sohn etliche Instrumente spielt und gerade eine CD aufnimmt. Und dann spielt mir Patrick Renfroe, so heißt er nämlich, schnell auf seinem Handy ein Song von ihm vor. Sein Mund zieht sich zu einem breiten Lächeln. Er ist zu recht stolz auf seine Musik.

Ob er denn ein Elvis Fan wäre, frage ich ihn. „Nein,“ antwortet er lachend. Das ist einfach nicht seine Musik. Er steht auf Klassik! „Aber vielleicht ist es ein kleines Omen, dass er aus Tupelo kommt wie ich“. Finde ich auch.

Und so erst hat der Besuch hier für mich doch einen Sinn gemacht. Dem King bin ich kein Stück näher gekommen, aber eben einem jungen Musiker, der hier seine Karriere starten will und an sich glaubt. Wer weiß, vielleicht wird er eines Tages den Thron besteigen, Talent und Aussehen hat er ja. 


Mein Wohnmobil Roadtrip durch die Südstaaten der USA wurde von CU Camper unterstützt.